Der beliebige Gott?

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Was meinst du? Welche der Farben gefällt dir am besten? Welche würde am besten zu dir passen? Wenn du sie gefunden hast…würdest du sagen, alle anderen Farben sind „falsch“? 

Übertragen auf Gott kann man mal darüber meditieren…male ich mir Gott? …wie male ich ihn? …wer entscheidet welche Farben „richtig“ sind?…Oder lasse ich Gott malen?

Wenn man anfängt, bestimmte Glaubenslehren zu hinterfragen, begegnet einem gerne ein Satz wie: „Du bastelst dir deinen eigenen Gott.“ Mich persönlich verunsicherte dieser Vorwurf anfangs. Bis mir klar wurde, dass dieser Satz im Grunde vielmehr auf diejenigen zutrifft, die ihn aussprechen. Denn sie selbst sind sich doch so sicher, Gott genau zu kennen. Wissen alles über die Regeln und Gesetze, die Gott aufstellt. Über das Gericht. Über den Himmel und die Hölle. Und da landen wir bei dem Grundproblem von uns Menschen. Wir können garnicht anders, als aus unser menschlicher Sicht zu schauen. Zu interpretieren. Uns ein Bild zu machen. Wobei genau vor letzterem biblisch gewarnt wird. Wir sollen uns kein Bildnis machen.

Ganz schön knifflig. Denn an was ist sich denn dann zu orientieren? Vielleicht ist der erste Schritt, einfach mal ein paar Aussagen nebeneinanderzustellen, in denen sich nahezu alle einig sind.

Gott ist Gott. – Wir Menschen sind es nicht

Gott ist Liebe .- Wir Menschen nicht. Zumindest, wenn wir ehrlich sind;)

Gott ist der Schöpfer aller Dinge – Wir Menschen definitiv nicht

Gott ist Gerechtigkeit – Wir Menschen können es nicht sein, so sehr wir uns auch bemühen

Gott ist Gnade und Barmherzigkeit – Wir Menschen lassen dies oftmals vermissen

Die Aussagen sind erweiterbar. Eines wird dabei ersichtlich. Wir alle, ausnahmslos alle können als Menschen nur sehr bedingt Gott erfassen. Wir können ihn weder beweisen noch uns in der Tat ein ganzes Bild von ihm machen. Keiner von uns kann Gott auf dem silbernen Tablett präsentieren und sagen, schau mal, da ist er. Jeder von uns, der dies macht, läuft Gefahr, gottgleich zu glauben, DIE Wahrheit über Gott zu wissen. Wir tun gut daran, eines an erste Stelle zu setzen. Die Wahrheit liegt bei und in Gott. 

Es gab nur einen, der einen im Grunde ungeheuerlichen Anspruch erhoben hat. Jesus Christus.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Joh. 14,6

Dieser Satz ist so unglaublich und einzigartig, dass man zwar sagen kann, das kann ja jeder sagen. Hat allerdings nur einer in der Weltgeschichte gesagt. Man kann sagen, das stimmt nicht, hat Jesus Christus nicht gesagt. Dann darf man sich fragen, wer sollte sich so einen ungeheuerlichen Satz ausdenken?! Nicht über sich selbst, sondern Jesus Christus in den Mund legend? Was hätte derjenige damit bezwecken wollen? Ist doch Jesus Christus selbst für diesen seinen Anspruch gekreuzigt worden. Hätte derjenige nicht eher aus Angst so etwas nicht geschrieben? Wie wurden damals die Christen verfolgt und getötet. 

Man kann sogar alles um Jesus Christus herum in Frage stellen, dass nichtmal bewiesen wäre, dass er gelebt hat, dass die Bibel gefälscht oder manipuliert wurde. All das dürfen wir prüfen. Und sollten wir auch, wenn wir selbst solche Aussagen machen oder von anderen hören. Die ganz große Frage bei allem ist, was ist unsere Motivation dabei? Wollen wir wirklich etwas finden, oder wollen wir Recht behalten?

Dieser Satz von Jesus Christus beinhaltet allerdings eines nicht. Wie und wann er diesen Anspruch umsetzen wird. Wir dürfen sehr vorsichtig damit sein, eine menschlich erdachte Ableitung darin zu lesen, es würde bedeuten, dass jeder Mensch sich zu Lebzeiten zu Jesus Christus zu bekennen hat. Eine Deutung mit furchtbaren Folgen, setzt man zudem Vater mit dem ewigen Paradies gleich. Beides steht dort nicht. So wie Gott sich in Jesus Christus offenbart hat, dürfen wir davon ausgehen, dass diese Liebe es ernst meint. Und zwar mit jedem von uns. Darauf dürfen wir vertrauen. Liebe setzt nicht unter Druck. Das tun nur wir Menschen, aus falsch verstandener Liebe. Die wir alle in dieser Vollkommenheit nicht kennen.

Für mich ist im Laufe der Zeit und meiner eigenen Suche etwas sehr klar geworden. In Jesus Christus zeigt Gott, dass er keineswegs ein beliebiger Gott ist. Er zeigt jedoch, dass er ein liebender Gott ist. Ein Gott, der die Beziehung zu den Menschen sucht. Er möchte uns ein Gegenüber sein. Und wenn ich Beziehung auch nur annähernd ernst nehme, das Geschenk erlebe, von Gott berührt zu sein, dann lasse ich mich darauf ein. In dem Moment gibt es keine Beliebigkeit mehr. Ich wende mich ernsthaft diesem Du zu. In meiner Verantwortung. Und als ganz Mensch. Mir meiner Unvollkommenheit in jedem Moment bewusst. 

Von einem dürfen wir dabei ausgehen. So wie jeder Mensch auf seine Weise seine menschlichen Beziehungen lebt, so wird er dies auch mit Gott tun. Keine dieser Beziehungen ist vergleichbar. Liebe findet nicht in einem luftleeren Raum statt. Liebe entfaltet sich im Raum von einem Ich zu einem Du. Das ist etwas sehr Lebendiges. Kann es zumindest sein. Es kann auch eine leblose, stagnierende, unterwürfige, dominante, freudlose, scheinheilige, angstbesetzte Beziehung sein. Und dann dürfen wir uns fragen, woran das liegt. Wenn ich obigen Aussagen über Gott zustimme, darf ich zu dem Schluss kommen, an Gott liegt es nicht;). Mit diesem Eingeständnis lande ich bei mir selbst. Und vielen weiteren Fragen.

„Gott sagt. Nichts soll dich erschrecken; du sollst den Mut nicht verlieren. Ich, Gott, bin bei dir, egal, wohin du gehst.“ Jos. 1,9

Das gibt Mut. Es werden Fragen kommen, was mich eigentlich in meinem Menschsein geprägt hat und wer mein Glaubensbild beeinflusst hat. Es werden Fragen kommen, welche Erfahrungen ich im Laufe meines Lebens mit Beziehung an sich gemacht habe. Haben sie mich misstrauisch gemacht, oder vertrauensvoll? Habe ich Liebe oder Strafe erfahren? Wieviel Leid habe ich erfahren? Hat dieses Leid mich bitter gemacht, oder bin ich darin gereift? Wem oder was kann ich nicht verzeihen? Habe ich je Barmherzigkeit erfahren? All das wird meine Beziehung auch zu Gott prägen. Und dies wird in bestimmten Lehren über ihn auch mehr als sichtbar. Gott ist aber Gott. Was, wenn wir all unser menschliches Denken über ihn mal beiseite legen, und ihm erlauben, der zu sein, der er ist? Unbegreiflich. Und doch uns so nah.

Bastele ich mir also mit Fragen meinen eigenen Gott? Die Gefahr könnte bestehen. Allerdings nur, wenn ich meine menschlichen  Erfahrungen und Erlebnisse mit Gott zu Gott selbst erkläre. Wenn ich glaube, dass menschliche Aussagen und Erkenntnisse über Gott ein vollständiges Bild von ihm ergeben. Wenn ich religiöse Riten, Gesetze und Dogmen an Gottes Stelle setze und glaube, ihm in der Einhaltung dessen näher zu sein. Und an dem Punkt kann ich nur eines sagen. Wenn wir aufhören, zu fragen, ist die Gefahr, uns einen beliebigen Gott zu basteln, wie er uns richtig erscheint, weitaus größer, als wenn wir es nicht tun. 

Bleibt nur eine sehr entscheidende Frage. An wen wenden wir uns mit unseren Fragen? 

„Denn wer da bitte, der empfängt; und der da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Mt. 7, 8

Das kann jeder erfahren, und ist das Abenteuer Gott, das jeder in seiner ganz eigenen Beziehung zu ihm er-leben darf…eines dürfte sicher sein. Wenn sich etwas verändert in der Beziehung zu ihm, dann werden wir es sein. Gott ist nicht beliebig. Wir Menschen dürfen nur Gott Gott sein lassen. Und die Farben aus seiner Hand empfangen. Erfahrungsgemäß sind dies viele, und immer wieder überraschend andere, als erwartet. Es ist ein durch und durch ein sich uns schenkender Gott. Dies hat er in Jesus Christus offenbart. Etwas, was wir Menschen nicht kennen. Etwas, wovon wir uns jedoch berühren lassen dürfen.