Wissen wir, was wir tun?

Als ich vor einem Vierteljahr den Beitrag "Religion und Krieg" schrieb, ahnte ich nicht, was am 7. Oktober die Welt erschüttern würde. Ein Massaker brutalster Art, welches gezielt so viele Juden an einem Tag in der Zivilbevölkerung tötete, wie seit dem Holocaust nicht mehr. Schlagartig wurde klar, was diesem Schock folgen würde. Einen Tag später war er da. Krieg. Die Gewaltspirale geht weiter. Frieden? Ferner denn je. Und einmal mehr sehen wir, wie die Welt sich aufteilt in hasserfüllte Lager. Wie schnell von welcher Seite auch immer der Schuldige ausgemacht wird. In einem Interview mit einer betroffenen Israeli sagte diese. Wir haben gar keine Zeit, zu trauern. Wir haben noch nicht einmal alle Toten identifiziert. Angehörige bangen um die Geiseln. Immer wieder war zu hören, ein Land zutiefst traumatisiert. Zeitgleich wurde auf der anderen Seite diese Tat gefeiert. Es war und ist schier unerträglich, all diese Bilder zu sehen. Die Worte zu hören und zu lesen. Währenddessen geht das Töten weiter. Die meisten der inzwischen tausenden Opfer auf palästinensischer Seite sind Frauen und Kinder. Ich zwinge mich, weiter hinzuschauen.  "Sie wissen nicht, was sie tun." Sagt Jesus Christus am Kreuz. Und "Vater vergib ihnen.". Das Schlimmste, was wohl die Opfer egal von welcher Seite erfahren müssen ist, wenn auch nur irgendwie ein solches Töten gerechtfertigt werden soll. Solange wir nicht fühlen, auch nur ein einziges Kind, welches beim Sterben seiner Eltern zuschauen muss, bevor es vielleicht selbst stirbt, werden wir nur eines zu rechtfertigen haben. Warum wir es nicht fühlen. Solange wir unterscheiden, ob ein isrealisches Kind oder ein palästinensisches Kind mehr Recht hat zu leben, sind wir im Geist mitschuldig am Geschehen. Und wie würde es uns gehen, wenn vor unseren Augen unsere Kinder sterben, eine Bombe unsere Familie oder Freunde tötet? Wir aus unserem Land vertrieben und gedemütigt oder menschenunwürdigst unter einer Besatzung leben? Auf welche Seite habe ich mich zu stellen? Da gibt es in aller Menschlichkeit keine Wahl. Jedes Opfer, auf beiden Seiten, ist eines zu viel. Beide Seiten bedürfen des Friedens und der Freiheit. Ich muss gestehen, ich habe mir vieles angeschaut. Vieles gelesen. Geweint. Etwas in mir spürte, hier geschieht etwas, was uns aufs Tiefste und Schmerzhafteste berühren muss. Dass dieser Brennpunkt uns wie ein brennendes Glas den Spiegel vorhält. Und Fragen stellt. Denen wir nicht ausweichen dürfen, wenn wir eines nicht zulassen wollen. Uns dauerhaft dahinter zu verstecken, halt nicht zu wissen, was wir tun. Es scheint, als müssten wir ohnmächtig aus der Ferne zuschauen, was geschieht. Sind wir allerdings mal ganz ehrlich, dürfen wir schnell erkennen, dass das nicht wahr ist. Jeder von uns steht in der Verantwortung, sehr genau zu prüfen, was da alles an Gedanken und Gefühlen in uns selbst ist. Und vorallem, woher wir Informationen aufnehmen. Denn es ist sehr gut zu prüfen, wo wir hier machtpolitisch religiös gegenseitig aufgehetzt werden sollen. Was wurde uns gesagt, über Juden oder Muslime? Wie stehen wir zu ihnen? Wieviel Argwohn oder gar Angst steckt in uns Andersgäubigen gegenüber, und ist das wirklich begründet? Was…